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Die Entstehungsgeschichte der Fischgräte-Skulptur: Ein Kunstwerk im Kontext der regionalen Entwicklung
Die Fischgräte-Skulptur in Greetsiel ist nicht nur ein Kunstwerk, das in den letzten Jahrzehnten zur kulturellen Identität des Ortes geworden ist. Sie erzählt auch die Geschichte einer Region, die eng mit dem Meer und der Fischerei verbunden ist. Diese Region Ostfriesland, mit ihren historischen Häfen, den dörflichen Strukturen und der traditionellen Fischerei, ist geprägt von einer langen Geschichte der Schifffahrt und des Handels. Gerade Greetsiel hat sich im Laufe der Jahrhunderte von einem kleinen Fischerdorf zu einem beliebten Touristenziel entwickelt, das seine kulturellen Wurzeln nie aus den Augen verloren hat.

Die Skulptur, die heute stolz am Hafen steht, wurde ursprünglich als öffentliche Kunstinstallation im Rahmen der Greetsieler Woche konzipiert, einem jährlich stattfindenden Kunst- und Kulturfestival, das lokale sowie internationale Künstler zusammenbringt. Der Zeitpunkt ihrer Präsentation hätte nicht besser gewählt sein können, denn der Jahrtausendwechsel markierte für viele Regionen einen tiefgreifenden Wandel – sowohl kulturell als auch wirtschaftlich.
Joachim Röderer, der Metallbildhauer, der für das Kunstwerk verantwortlich zeichnet, war zu dieser Zeit bereits ein etablierter Künstler, dessen Werke oft Naturthemen und die Verbindung zwischen Mensch und Natur behandelten. Röderer ließ sich von der Region Ostfriesland inspirieren, die nicht nur für ihre maritime Tradition, sondern auch für ihre weitläufige Landschaft bekannt ist. Die Fischgräte, die aus dem Meer entnommen wurde, war die perfekte Metapher, um diese Verbindungen darzustellen. Sie steht für die Fischerei, für das Leben im Einklang mit der Natur und für den kulturellen Wandel, den die Region über die Jahrhunderte erlebt hat.
Die Symbolik der Fischgräte: Ein bedeutungsschwangeres Kunstwerk
Die Wahl des Motivs der Fischgräte für die Skulptur ist in vielerlei Hinsicht symbolträchtig. Die Fischgräte ist ein unverwechselbares Naturobjekt, das in der Fischerei eine entscheidende Rolle spielt. Sie erinnert an die harte Arbeit der Fischer und an die Vielfalt des Lebens im Meer. Doch sie stellt auch eine gewisse Verletzlichkeit dar. Die Fischgräte ist der Rest eines Lebens, das sich in der Verbindung zwischen Natur und Mensch manifestiert. Sie ist ein Überbleibsel aus einem Zyklus von Ernte, Nutzung und Verbrauch.
Für Röderer war die Fischgräte in diesem Zusammenhang nicht nur ein stilistisches Element, sondern auch ein tiefgehendes Symbol. Durch die Verwendung von Metall als Material verstärkte der Künstler den industriellen und modernen Aspekt des Kunstwerks. Gleichzeitig nahm er Bezug auf den Fischfang, ein Handwerk, das eng mit Greetsiel verbunden ist. Doch das Kunstwerk ging über das bloße Symbol des Fisches hinaus. Es spiegelte auch die Kraft und die Energie, die mit der Fischerei und dem Leben am Meer verbunden sind. Im gewählten Titel „Piranha“ kommt diese Kraft noch deutlicher zum Ausdruck. Der Piranha, als Raubfisch bekannt, steht für Schnelligkeit, Präzision und die Gefährlichkeit des Lebens im Wasser, was durch die scharfen Metallzacken der Skulptur visuell unterstrichen wird.
Der Standort der Skulptur: Ein Ort der Begegnung
Die Fischgräte-Skulptur wurde bewusst an einem prominenten Punkt in Greetsiel installiert: am Hafen, wo das Leben von jeher eine enge Verbindung zum Wasser und zur Fischerei hatte. Der Hafen war und ist der zentrale Ort, an dem die Schiffe anlegen, die Fischer ihren Fang an Land bringen und die Kultur der Fischerei in der Region erlebbar wird. Der Hafen von Greetsiel ist nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein kultureller Treffpunkt. Hier treffen sich Touristen, Einheimische, Fischer und Künstler, um das maritime Leben zu erleben, zu genießen und zu verstehen.
Die Wetterstation und die Werft in unmittelbarer Nähe der Skulptur ergänzen die symbolische Bedeutung des Kunstwerks, da sie auf die Kunstfertigkeit und die Technik hinweisen, die für den Schiffbau und die Seefahrt erforderlich sind. Der Hafen von Greetsiel ist ein lebendiges Freiluftmuseum, das die Geschichte der Region in ihrer ganzheitlichen Form zeigt. Die Fischgräte-Skulptur ist also nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein Teil des geschichtlichen Erbes dieses Ortes.
Der Arbeitskreis Greetsieler Woche: Förderung von Kunst und Kultur
Die Greetsieler Woche ist ein jährlich stattfindendes Ereignis, das lokale Künstler sowie international bekannte Künstler aus verschiedenen Disziplinen zusammenbringt. Der Arbeitskreis Greetsieler Woche, eine Gruppe von Engagierten aus der Region, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Leben von Greetsiel zu fördern und zu bereichern. Die Veranstaltung ist mittlerweile weit über die Grenzen Ostfrieslands bekannt und zieht jedes Jahr zahlreiche Kunstinteressierte und Touristen an.

Die Entscheidung, die Fischgräte-Skulptur zu erwerben, war eine bewusste Entscheidung des Arbeitskreises, ein Kunstwerk zu schaffen, das nicht nur ästhetisch ansprechend ist, sondern auch die Tradition und Identität der Region widerspiegelt. Die Fischgräte-Skulptur wurde 2000 während der Greetsieler Woche erstmals präsentiert, und der Arbeitskreis erwarb das Kunstwerk, um es als dauerhaften Bestandteil des kulturellen Angebots der Region zu etablieren. Der Kauf und die Installation der Skulptur im öffentlichen Raum waren ein weiterer Schritt, um die Kunstszene von Greetsiel und der Umgebung zu stärken und der Fischerei sowie dem Maritimen Leben eine visuelle Ausdruckskraft zu verleihen.
Fischgräte-Skulptur und Tourismus: Eine kulturelle Attraktion
In den Jahren seit ihrer Aufstellung hat sich die Fischgräte-Skulptur zu einem festen Bestandteil des Tourismus in Greetsiel entwickelt. Der Hafen, an dem sie steht, zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an, die nicht nur das maritime Flair genießen, sondern auch das Kunstwerk bewundern. Die Skulptur ist für viele Touristen ein Fotoobjekt, aber auch ein Anknüpfungspunkt für Gespräche über die Bedeutung der Fischerei und die Geschichte der Region.
Besonders während der Greetsieler Woche zieht die Skulptur viele Kunstinteressierte an, die die Verbindung zwischen der Fischgräte als Kunstobjekt und dem Leben an der Küste näher erfassen möchten. Auch außerhalb dieses Festivals ist die Skulptur das ganze Jahr über ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens von Greetsiel.
Die Integration von Kunst in den öffentlichen Raum ist eine wichtige Strategie zur Förderung des Kulturtourismus in Ostfriesland. Werke wie die Fischgräte-Skulptur bieten den Besuchern nicht nur eine visuelle Bereicherung, sondern auch eine tiefere Auseinandersetzung mit der Geschichte und Kultur der Region. Sie tragen dazu bei, Greetsiel als bedeutendes Kunst- und Kulturzentrum in der Region zu etablieren.
Fazit: Die Fischgräte-Skulptur als kulturelles Wahrzeichen und Symbol für die Region
Die Fischgräte-Skulptur in Greetsiel ist weit mehr als ein bloßes Kunstwerk. Sie ist ein Symbol für die enge Verbindung zwischen den Menschen der Region und dem Meer, zwischen der Tradition der Fischerei und der modernen Kunst. Sie verkörpert die Veränderungen, die die Region durchlaufen hat, und spiegelt die Herausforderungen und die Schönheit des Lebens an der Küste wider.
Mit ihrer kraftvollen Symbolik, ihrer einzigartigen Form und ihrer Integration in den historischen Hafen von Greetsiel hat die Skulptur nicht nur die Herzen der Einheimischen erobert, sondern auch die Aufmerksamkeit der Touristen auf sich gezogen. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Greetsieler Woche und der gesamten Kunstszene der Region. Doch ebenso ist sie ein Denkmal für die Vergangenheit, die Tradition der Fischerei und die Kraft der Kunst, die all diese Themen miteinander verbindet.